Aus der Backnanger Kreiszeitung vom 16.12.2015

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Emotional, lebensfroh, melancholisch

Festliche und kitschfreie brasilianische Weihnacht in der Markuskirche mit dem Encanto-Chor aus Stuttgart

Der Encanto-Chor aus Stuttgart begeisterte mit seinem „Concerto de Natal“ Es war nicht das erste Mal, dass der deutsch-brasilianischen Freundschaft in Backnang ein Abend gewidmet wurde. Pfarrer Dr. Ulrich Beuttler erinnerte daran, dass man schon im Frühjahr ein Blockflötenensemble aus dem größten Land Südamerikas zu Gast hatte.

 Schwungvoll dem Weihnachtsfest entgegen: Zu einem weihnachtlichen Chorkonzert lud das Markus-Musik-Menue der evangelischen Markusgemeinde ein.Foto: A. Becher
Schwungvoll dem Weihnachtsfest entgegen: Zu einem weihnachtlichen Chorkonzert lud das Markus-Musik-Menue der evangelischen Markusgemeinde ein.Foto: A. Becher
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Von Carmen Warstat

BACKNANG. Das regelmäßig stattfindende Markus-Musik-Menue, kurz MMM, möchte Menschen zum Zuhören, Nachdenken, Feiern und Reden, zum Essen, Trinken und Plaudern zusammenbringen und holt dafür jeweils Künstler aus der Region oder dem Bekanntenkreis in die Kirche. Die Benefiz-Veranstaltungsreihe wendet sich dabei auch an Menschen, die der Gemeinde weniger verbunden sind, aber den kulturellen Genuss schätzen und an solche, die ein Eintrittsgeld kaum aufbringen können.

Die Spenden kommen dann jeweils der Kostendeckung für den Abend und Hilfsorganisationen oder bedürftigen Einzelpersonen zugute und dienen dazu, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, wie Thomas Rosenhagen, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Vorbereitungsteams, mitteilte. Emotional, lebensfroh, melancholisch, festlich und zugleich absolut kitschfrei erreichte der etwa 20-köpfige Chor, dem Brasilianer, Deutsche und Menschen anderer Nationalitäten angehören, sein Publikum im Nu. Nicht nur die in Blau – Gelb – Grün, den brasilianischen Nationalfarben, glitzernden Pailletten-Schals der Damen signalisierten die Entführung in eine gänzlich andere Festkultur. „Maestrina“ Cristina Marques verriet, dass es beispielsweise beim Fest der Heiligen Drei Könige „bei uns ganz anders zugeht“, und das war dann auch zu hören. „Lieder zur Weihnachtszeit, aber nicht unbedingt Weihnachtslieder“ werde man präsentieren, zumal das portugiesische Wort für Weihnacht (Natal) ein Synonym für Geburt sei. Dem temperamentvollen, zu Trommel und Gitarre fröhlich intonierten Lied zu Ehren von Kaspar, Melchior und Balthasar folgte die Vertonung eines sehr schönen, Franz von Assisi zugeschriebenen Gebets („Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen…“), das die Chorleiterin vollständig in deutscher Sprache verlas.

Sie sei mit sechs Kindern aufgewachsen und sehr neugierig gewesen, berichtete die „Maestrina“. Jedes von ihnen habe ein anderes Instrument gelernt, sodass sie heute alle ein wenig beherrsche. Cristina Marques begleitete den Chor dann auch mit Gitarre, Akkordeon und Klavier, zum Teil sang sie die Strophen auch solo. Es waren Melodien, zu denen man loslassen und unverkrampft mitsingen oder sich wiegen konnte, da die angespannte Feierlichkeit, die deutschen Chören oft zu eigen ist, komplett fehlte, obwohl auch hier nicht nur freudestrahlende Emotionalität, sondern ebenso das Leidvoll-Elegische zum Ausdruck kam.

Fröhlich gestimmt schickte der Chor zu Akkordeon, Trommel und Violine seine Zuhörer mit einem nordbrasilianischen Lied über die Geburt Jesu in die Pause, für die das Konfirmandenteam ein verlockendes Büfett vorbereitet hatte. Unter der Leitung der Ernährungsberaterin Petra Scharberth-Zender hatten die jungen Leute Leckereien wie Apfel-Walnuss-Muffins, Linsenmousse und vieles andere vorbereitet. Mit A-cappella-Stücken wurden die Gäste dann von den wunderbar weichen Stimmen zurück in die Welt der Musik geholt. Ein populäres Stück, das buchstäblich jeder in Brasilien kennt, widmete sich einem Menschen, der im Zug durch viele Ortschaften, große Städte, arme und reiche Dörfer fährt und feststellt, dass diejenigen, die wenig haben, dennoch Zufriedenheit ausstrahlen. Er träumt davon, ebenso zu sein.

Es folgten ein von Trommel und Bodypercussion der Sänger begleiteter anschwellender Gesang, der temperamentvoll Fahrt aufnahm sowie ein durch mitreißendes Surdo-, Shaker- und Klangholzspiel rhythmisch besonders ausgeprägtes Lied über ein großes Fest, das im Amazonasgebiet nach Weihnachten gefeiert wird, die Ochsenjagd. Schließlich ein stilvoller Ausklang, der „den schönen Weihnachtsstern“ besang, und ein Medley sowie ein Abendlied als Zugaben rundeten das wunderbare Konzert ab.